Ich bin ausgetreten, weil…

Ich bin ausgetreten, weil…

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Ich bin hier raus, weil...

Gespräch – Interview mit einem Menschen, der aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten ist (Name und Person ist dem Redakteur bekannt).

Wann, und aus welchen Gründen, bist Du aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten?
Ich bin vor ca. 2 Jahren ausgetreten.
Es war keine Entscheidung „so von heute auf Morgen“, es hat kurz nach der Firmung angefangen, dass ich darüber nachgedacht habe. Glaube ich an das Ganze? Wo bin ich da überhaupt hineingekommen? Davor habe ich darüber wirklich nicht so nachgedacht. Es hat sich jeder firmen lassen, da bin ich halt einfach mitgezogen, es hat auch Geschenke und einen Ausflug gegeben, und so. Danach habe ich darüber nachgedacht, und bin darauf gekommen, dass ich eigentlich gar nicht glaube, was in der Bibel steht, und so. Ich glaube auch nicht an den Gott, wie es in der Bibel steht. Deshalb macht es für mich keinen Sinn, Teil davon zu sein, also von dieser römisch-katholischen Kirche.

Wie ist Deine Meinung zum Kirchenbeitrag?
Meiner Meinung nach sollte der Kirchenbeitrag freiwillig sein. Den Leuten, denen das Wohl der Kirche und der Pfarrer etc. wichtig ist, sollen dafür spenden, die anderen nicht. Für mich war das jedoch kein Hauptgrund zum Austritt. Wie gesagt, kann ich mich mit der Kirche einfach nicht identifizieren.

Gibt es auch Gutes bzw. was gefällt Dir an der römisch-katholischen Kirche?
Natürlich gibt es auch Gutes, wie gewisse moralische Werte oder die Gemeinschaft an sich.

Was stört Dich, was passt Dir nicht?
Es gibt halt auch sehr viel Negatives, meiner Meinung nach. Sehr viele Kriege (Kreuzzüge) gab es durch die Kirche. Die Religion, der Glaube (auch bei anderen Religionen) wurde und wird für Machtausübung und Kriege missbraucht. Außerdem vertritt sie viele veraltete Werte, mit denen ich nichts anfangen kann (Stichworte: Homosexuelle, Verhütung, Andersgläubige, Sexismus etc.). Dazu kommen noch die Pädophilie-Skandale und so weiter. Es gibt genug Gründe die Kirche nicht zu unterstützen.

Was bedeuten Dir die 10 Gebote?
Ich kenne jetzt nicht alle 10 Gebote auswendig, hab das aber alles schon gehört und so. Da ist nichts auszusetzten daran. Ich lebe grundsätzlich auch mit diesen Geboten, bzw. moralisch, menschlichen Ansichten.

Bist Du Mitglied oder hast Du Interesse an einer anderen Religion/Glaubensform?
Vorerst will ich meine Glaubens-Freiheit. Eventuell möchte ich in Zukunft dem Buddhismus beitreten, das ist aber momentan nur so ein Gedanke von mir.

Wie ist Deine Meinung zur Schöpfungsgeschichte, zur Bibel?
Die Bibel ist für mich eine Ansammlung von Geschichten. Man kann Positives und Negatives daraus ziehen. Für mich ist das nichts, was man wortwörtlich so nehmen und glauben kann. Sie sind wie die Griechischen Sagen oder so. Jesus ist ja eine historische Person, er hat schon gelebt. Die Geschichten, so wie sie erzählt werden, glaube ich aber nicht, dass die so waren. Es sind für mich einfach Geschichten, aus denen man natürlich was lernen kann, auch fürs Leben.

Wie ist die Beziehung zu Deinen Eltern, so als „Ausgetretener“?
Meine Eltern sind beide römisch-katholisch. Besuchen aber selten die heilige Messe in der Kirche. Meine Mutter wollte nicht, dass ich austrete. Mein Vater hat mir meine Entscheidungsfreiheit gelassen, ich bin ja schon volljährig. Mein Vater glaubt nicht an die biblische Schöpfungsgeschichte (ihm fehlt dazu die wissenschaftliche Begründung). Er ist noch römisch-katholisch, weil es sich so gehört in unserer Gesellschaft und weil ihm die kirchlichen Gebäude erhaltenswert sind. Der Mama wäre es lieber, wenn ich noch in der römisch-katholischen Kirche dabei wäre. Aber es gibt deshalb keine Schwierigkeiten mit meinen Eltern und Bekannten.

Kannst Du Dir auch eine kirchliche Hochzeit vorstellen, solltest Du mal heiraten?
Nein! Das macht für mich keinen Sinn, weil ich auch nicht vorhabe der Kirche wieder beizutreten.

Wie stellst Du Dir Deine Beerdigung/Verabschiedung vor?
Über dieses Thema habe ich noch nicht viel nachgedacht. Eine Verabschiedung wäre schon schön, aber ich brauche auf jeden Fall keine kirchliche Verabschiedung. Es kann sich ja jeder von sich aus, wie er will, von mir verabschieden. Ich denke da wirklich nicht darüber nach. Wenn ich tot bin, dann interessiert mich das einfach nicht. Ein Platz für mich im Friedhof kann aber schon möglich sein, damit Andere an mich denken können, wenn das die Hinterbliebenen/Angehörigen so wollen. Ich will halt nichts Kirchliches dabei.

Solltest Du Kinder haben, wie ist das dann mit der Taufe, Firmung?
Ich würde die Kinder ungetauft erziehen. Jedes Kind soll dann später selber entscheiden, ob es sich taufen lassen will. Ich finde z.B. auch, dass die Firmung viel zu früh ist. Ich wurde mit ca. 12 Jahren gefirmt. Auch die Firmung mit 16 oder 17 Jahren ist für mich noch zu früh, um sich wirklich für diesen Glauben zu entscheiden.

Gibt es Jemanden oder Etwas, das Dich zum „Wieder-Eintritt“ in die römisch-katholische Kirche bewegen kann?
Glaub ich nicht.


Danke für das offene und ehrliche Gespräch zu diesem „heiklen“ Thema.

Ich wünsche Dir…“Vaya con Dios“

Die Türen bleiben offen, auch für Dich!
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